Gebrauchte Diesel: Krise oder Konsolidierung?

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Diesel Restwertentwicklung nach Segmenten - Differenz in Prozentpunkten 06/2017-07/2015. Foto: Schwacke/dpp

Aktuelle Zahlen des Marktbeobachters Schwacke zeigen, dass sich Restwerte von Diesel- wie Benzinfahrzeugen segmentabhängig, markenbezogen, modellspezifisch und regional höchst unterschiedlich entwickeln.


Betrachtet man die Gesamt- bzw. Durchschnittszahlen sowie Vorjahresvergleiche von Neuzulassungen, Besitzumschreibungen, Standtagen, Angebotsmengen und Restwerten kann leicht der Eindruck entstehen, der Diesel habe aktuell gegenüber dem Benziner das Nachsehen. Erhöhte Standtage von Dieselfahrzeugen im Schnitt implizieren, dass die Gebrauchtwagenpreise weiter unter Druck stehen.


Betrachtet man aber beispielsweise die Diesel nach Segmenten, so gibt es welche, die im Vergleich zur Zeit vor der Dieselthematik restwerttechnisch wachsen und sich im Vergleich zu den Benzinern behaupten.


Allerdings zeigen die Benziner insgesamt seit Längerem eine Aufwärtsbewegung sowie schnellere Vermarktbarkeit - anders als die Diesel - durch nahezu alle Klassen. Ein Grund ist der Volumendruck durch das steigende Angebot von jungen gebrauchten Dieseln, das aus dem wachsenden Flottenmarkt der vergangenen Jahre resultiert.


Das nachlassende Interesse an Dieseln ist kein neues Phänomen. Bereits seit 2009 sind die Diesel Neuzulassungen an private Endkunden aller Segmente ohne SUV zurückgegangen. Differenziert betrachtet kann auch der Marktbeobachter Schwacke mit 60 Jahren Historie keine allgemeingültige Aussage zu treffen. Hinzu kommt, dass die vor dem Frühjahr 2017 geführte Diskussion zur Dieselthematik, mit dem jetzt aktuellen Thema ‚Fahrverbote‘ nicht zu vergleichen war. Bis dahin waren kaum bis wenig Einschränkungen oder Nachteile in der täglichen Nutzung der Fahrzeuge zu erwarten.


Mittlerweile sind jedoch - zunächst regionale und zeitlich begrenzte - Nutzungseinschränkungen angekündigt, die für bestimmte Fahrer auch tatsächlich wirksam werden. Die für 2018 getroffene Entscheidung in Stuttgart verleiht der Diskussion um den Diesel und seine Zukunftschancen daher neue Brisanz. Die Bevölkerung scheint durch die breite Berichterstattung und stetig neue juristische Themen stark involviert und teils verunsichert. Es entsteht also ein zusätzlicher negativer Aspekt in der Beurteilung potenzieller Neu- und Gebrauchtwagenkaufentscheidungen.


Laut Schwacke hängen mögliche Effekte auf den Wiederverkauf und deren Ausmaß stark davon ab, ob das Beispiel Stuttgarts in weiteren Ballungsräumen Schule macht und eine Art ‚kritische Masse‘ erreicht, oder gar eine bundesweite Regelung z.B. zur blauen Plakette in Betracht gezogen wird.


Die unterschiedlichen und teils unübersichtlichen Beweggründe wie Feinstaub, NOx-Belastung und CO2-Emissionen erschwerten eine Versachlichung der Debatte. Der Trend zum Benziner kann sich verstärken, wenn weitere äußere Faktoren - insbesondere staatliche Eingriffe und Strategiewechsel der Hersteller - hinzukommen.

 

Vergessen darf man laut Schwacke allerdings auch nicht, dass Dieselmotoren in der Regel - unabhängig von der Messmethode - gegenüber Benzinern die bessere CO2-Effzienz aufweisen und somit für ein Erreichen der CO2-Flottenziele 2020 vermutlich notwendig sein werden. Das Gros der alternativen Modelloffensive haben die Hersteller ja erst für 2020 bis 2025 angekündigt.


Der Diesel wird die Branche daher wohl noch eine Weile beschäftigen, vermutlich aber ohne äußere Einflüsse nicht allzu bald drastisch an Berechtigung und Wert verlieren. (dpp-AutoReporter/wpr)